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Die Toten von Berlin – das Ende der Differenzierung

Mittlerweile läuft das alles ziemlich eingespielt. Schon wenige Minuten nach dem Anschlag bietet Facebook die Funktion „In Sicherheit“ an, die ersten Chronik- und Profilbilder werden angepasst, ausländische Nachrichtenagenturen reden von Terroranschlag und die Deutschen ziehen dann irgendwann am nächsten Tag mit „könnte eventuell Terror gewesen sein“ nach. Die Rechten wollen schon Trucks chartern, um Flüchtlinge abzuschieben, die „Gutmenschen“ (grauenhafter Begriff) posten sofort, dass es egal ist, welcher Nationalität oder Religion der Mörder angehört. Der Innenminister wird wahrscheinlich dann auch irgendwann erzählen, dass wir dringend mehr „Vorsorge“ brauchen und lässt ungesagt, dass es nicht die Technik war, die den Attentäter gefasst hat, sondern Zivilcourage. Ein mutiger Mitbürger hat ihn nämlich einfach verfolgt und die Polizei gerufen. Folgerichtig wären also Kurse in Zivilcourage angesagt, nicht mehr Überwachung.

Da ich ja quasi ein „Linker“ bin (wer weiß, ob das nach dem Beitrag noch so ist), erscheinen bei mir auf Facebook natürlich auch entsprechende Beiträge. Ganz weit vorne ist ein Beitrag, der vom Komiker Ruthe (toller Typ!) direkt nach den Anschlägen veröffentlicht wurde. Dort wird festgestellt, wer die Schuld an den Toten in Berlin hat. Nicht Merkel, nicht Flüchtlinge, nicht Gutmenschen, sondern nur der Fahrer selbst. Der Beitrag wird schnell verbreitet (z.B. bei der von mir sehr geschätzten „Hogesa„) und schon am nächsten Morgen ist die Reichweite riesig. Klar, die Fakten betrachtend und rein logisch vorgehend kann man zu diesem Schluss kommen: Nur der Mörder hat gemordet. Es ist auch eine angenehme Erkenntnis. Der Schuldige ist bereits gefasst. Sonst trägt keiner Schuld. Wir müssen uns nicht weiter über Flüchtlinge und die sich daraus ergebenden Realitäten unterhalten. Wir können weiter über „mehr Sicherheit“ diskutieren, wenn wir Überwachung meinen. Wir können weiter mit der profitorientierten Politik in Afrika und dem Nahen Osten weitermachen. Alles super. Game over.

Es ist so ein wenig wie in dem Beispiel vom Frosch im Wassertopf: Setzt man einen Frosch ins Wasser und erhöht langsam die Temperatur, springt der Frosch nie raus und wird langsam lebendig gekocht. Wirft man einen Frosch in heißes Wasser, springt er sofort wieder raus. Ich frage mich, ob wir nicht schon längst langsam gar gekocht werden. Ich will jetzt hier keinen Aluhut aufziehen, aber das Ganze hat schon etwas von einer Expositionsstrategie, wie sie z.B. in der Psychologie sehr erfolgreich eingesetzt wird, um Menschen an Dinge zu gewöhnen, die ihnen Panik verursachen.

Das erste Opfer ist immer der gesunde Menschenverstand. Danach kommt dann das, was wir heute gerne mit #Postfaktisch beschreiben. Das gilt nicht nur für unseren Umgang mit dem Terror. Es ist allgegenwärtig. Klima, Rohstoffe, Vermögen, Soziales, Asyl – überall haben wir uns vom gesunden Menschenverstand und – noch schlimmer – von der Fähigkeit zu differenzieren verabschiedet. Wir sind Pippi Langstrumpf und machen uns die Welt widdewidde wie sie uns gefällt.

Vielleicht ist das ein neuer Kniff der Evolution? Nachdem wir durch Beseitigung vieler Gefahren durch die moderne Zivilisation nicht mehr besonders schlau und findig sein müssen, um zu überleben, hat die Evolution nun vielleicht die Rahmenbedingungen geändert, um auf lange Sicht die positive Weiterentwicklung zu gewährleisten?! Die Evolution hat einen langen Atem, wie jeder weiß. Was passiert, wenn wir so weitermachen? Der entscheidende Punkt ist: Es wird keine Lösung der Probleme geben. Am Ende hat jeder, egal ob links, rechts, oben, unten und in jeglicher Farbe, „irgendwie“ Recht. Es geht mir selbst ja auch so. Ich bin für Asyl (links), für konsequentes Abschieben von Straftätern (rechts) – aber nur bei bestimmten Straftaten (Mitte). So geht das bei fast allen Fragen. Und jetzt?

Als erstes müssen wir uns davon verabschieden, dass es eine einfache Lösung für „Alles“ gibt. Wir haben schon Mühe in Kausalketten zu denken, aber unsere Gesellschaft ist ein komplexes Kausalnetzwerk. Es gibt eine riesige Anzahl von Ereignissen, die miteinander zusammenhängen. Unser Wusch, mit bezahlbarem Benzin zu unserer Liebsten zu fahren, hängt genauso mit den Toten in Berlin zusammen wie mit dem Typ, dem wir in der Fußgängerzone erlauben einen radikalen Islam zu predigen, oder einer Bundesregierung, die permanent beruhigen will. Insofern ist das Posting von ruthe „Wer Schuld ist“ falsch. Die Liste der Schuldigen ist endlos. Und wir stehen irgendwie mit drauf. Und weil das eben so kompliziert ist, verlagern wir uns auf einfache, manchmal postfaktische Sichtweisen. Dann ist die Welt wieder in Ordnung. Irgendwann führen aber die ungelösten Probleme unweigerlich zum totalen Zusammenbruch des Systems, in dem wir leben – was übrigens eine typische Lösung der Evolution wäre, wenn man in einer Sackgasse steckt. Am Ende bleiben nur die Stärksten, Schlauesten und Findigsten übrig. Ich hoffe sehr, dass dieser Prozess mir und meinen Kindern erspart bleibt.

Wie löst die Evolution Probleme sonst noch? Durch geschicktes Arbeiten in Regelkreisen. Einfaches Beispiel: Eine Population aus Jägern und Beutetieren hält sich gegenseitig im Gleichgewicht in einer bestimmten Fläche. Wird von den Jägern zu viel gefressen, wird das Futter knapp und es gibt weniger Nachwuchs. Und umgekehrt. In Wirklichkeit ist es natürlich viel komplexer. Die Menge an Futter für die Beute spielt auch eine wichtige Rolle für die Jäger, das Wetter und vieles andere mehr. Es ist ein komplexes System und die „Natur“ geht sehr differenziert vor, um alles im Gleichgewicht zu halten. Da war es wieder, das seltsame Wort: Differenzieren. Was bedeutet dieses Verb eigentlich?

Die Definition aus dem Duden ist schick, aber man könnte auch sagen, es hat etwas mit genauer hinsehen zu tun. Ein wichtiger Aspekt von „differenzieren“ ist es, auf Verallgemeinerungen zu verzichten. Wir Alle wehren uns dauernd gegen Verallgemeinerungen – auch Klischees genannt. Alle Männer gehen fremd. Alle Frauen heiraten, um versorgt zu sein. Sowas hat jeder von uns schon mal gehört und gleich gesagt „Es gibt aber auch Ausnahmen“ – und sich selbst damit gemeint. Auch in der Partnerschaft gibt es das: „Nie bringst Du den Müll raus“ oder „Immer hast Du Migräne, wenn ich Sex will“. Erfahrene Menschen vermeiden deshalb tunlichst alle Verallgemeinerungen bei Streit in der Beziehung. Es führt sonst (fast) jedes Mal zur Eskalation. Was wir im „Kleinen“ so gut beachten, ignorieren wir im „Großen“ völlig. Wir differenzieren einfach nicht mehr. Die „wasauchimmer“ sind Schuld. Immer.

Was wäre die Alternative? Nicht an Rädern drehen (oder fordern, dass daran gedreht wird) bevor klar wird, wie sie den Regelkreis beeinflussen. Von Fakten leiten lassen. Eine Erhöhung der Überwachung hat bisher noch zu keiner höheren Sicherheit geführt. Funktioniert hat gut ausgebildete und in ausreichender Anzahl vorhandene bürgernahe(!) Polizei und ein guter sozialer Zusammenhalt (Menschen die z.B. in Paris Passanten von der Straße in die Wohnung holten) und Zivilcourage (siehe Berlin). Das wäre ein guter Punkt für Maßnahmen. Auch müssen wir unterscheiden zwischen Symptom und Ursache. Es ist völlig klar, dass wir die Symptome des Terrors bekämpfen müssen – soweit das überhaupt möglich ist – aber totale Sicherheit wird es NIE geben. Noch nicht mal auf einem Weihnachtsmarkt. Wenn wir den Terror zurückdrängen wollen, wird es aber ohne das Anpacken der Ursachen nicht gehen. Das Profilbild wegen Aleppo zu ändern reicht eben nicht.

Jetzt sind wir nun mal nicht Bundeskanzler, Innenminister oder US Präsident. Was bleibt uns also übrig? Ein guter Anfang wäre es, wenn wir uns nicht verarschen lassen und weiterhin versuchen, unseren gesunden Menschenverstand zu benutzen. Immer aufmerksam werden, wenn „Alle“ (oft auch unausgesprochen) in einem Satz vorkommt. Wir könnten auch aufeinander aufpassen – würde sogar super zum bevorstehenden Fest der Liebe passen. Auch hier gilt wieder: Der gesunde Menschenverstand zeigt uns eigentlich, wo die Grenze zwischen Bespitzeln und aufeinander Aufpassen liegt. Traut euch das ruhig mal zu. Zusammenhalt ist die mit Abstand effektivste und beste Waffe gegen Terror.

Peace

Euer Christian

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Der neue Simplicissimus

(Frei nach Motiven von Jakob Christoffel von Grimmelshausen)

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Eigentlich sollte jetzt hier ein Text über das Thema Pokémon Go (Die Rückkehr der Schnitzeljagd) entstehen. Sauber recherchiert (bin mittlerweile Level 6!) und mit Thesen, die ganz bestimmt wieder heftige Kritik ausgelöst hätten. Letztlich gibt es den Artikel aber doch nicht. Die Ereignisse der letzten Wochen sind einfach zu dominant, um sie zu ignorieren – auch wenn ich das lieber täte. Außerdem hatte ich mehrfach die Chance zu Gesprächen (oder Chats) mit Menschen, die extrem unterschiedliche Standpunkte, teilweise auch sehr kontrovers zu meinen eigenen, vertreten. Solche Gespräche sind meistens anstrengend, aber auch immer lehrreich. Interessanterweise hatten nahezu alle Standpunkte eins gemeinsam: Eine schnelle und einfache Universallösung sollte her. Flüchtlingsproblem, Terrorproblem, Naziproblem, Wirtschaftsproblem, Soziale-Gerechtigkeit-Problem, Burn-Out-Problem, usw… die Liste könnte endlos so weitergehen.

Leute: das wird Nix! Da wir an den meisten Themenbereichen mehr als 20 Jahre (kaputt-) gebaut haben, wird sich keine Lösung – schon gar keine einfache – an einem Nachmittag finden lassen. Werfen wir doch Mal einen Blick auf das aktuelle 9-Punkte Lösungsprogramm zum Thema Terror der Bundesregierung:

  • Frühwarnsystem
    Das System soll Infos aus Asylverfahren oder Integrationsbemühungen über eine mögliche Radikalisierung liefern. Die meinen die chronisch unterbesetzten Ämter und Institutionen, die es bisher noch nicht mal schaffen alle Basisdaten der Asylbewerber zu erfassen. Hört sich nach einen „super“ Plan an. Und außerdem: Was ist denn ein Zeichen von Radikalisierung? Bart? Oder erwarten wir offen getragene Waffen? Attentäter und Extremisten sind gestört, aber nicht notwendigerweise dumm.
  • Personal
    Na das ist auch geil, nachdem wir jahrelang die Polizei und Justiz kaputt gespart haben. Wo sollen denn die neuen Kräfte über Nacht herkommen? Oder stecken wir jetzt einfach jedem aus der Bürgerwehr ´ne Plakette an? Oder vielleicht Bewaffnung der Politessen?
  • Information
    Bessere Überwachung des Internets. Na dann viel Erfolg, Leute! Nicht nur, dass es immer findige Nerds geben wird, die einen wasserdichten Kanal bauen können. Wir überwachen dann einfach jeden. Klar, wer nix zu verbergen hat, muss sich ja vor Offenlegung nicht fürchten. Kann man ja sehen wie vorbildlich der Staat da vorangeht und die TTIP Unterlagen schön geheim hält. Für mehr Details einfach mal dieses tolle Video ansehen.
  • Bundeswehr
    Reden wir von der Bundeswehr, die jahrelang kaputtgespart wurde und kaum noch in der Lage ist, ihre eigentlichen Aufgaben (Landesverteidigung und ggf. humanitäre Einsätze im Ausland im Rahmen eines UN Mandats) zu erfüllen? Gab es nicht einen guten Grund, warum die Armee nicht im Inland eingesetzt werden darf und warum das im Grundgesetz steht? Und wieso jetzt in die Bundeswehr für diesen Zweck investieren, statt direkt in die Polizei? Hat mal jemand dran gedacht wie unterschiedlich die Ausbildung eines Soldaten und Polizisten ist – und vor allem warum!?
  • Forschung/Prävention
    Na das fällt uns ja früh ein und außerdem: Wäre es nicht selbstverständlich, dass man nach den Ursachen forscht? Hat nur ein Punkt gefehlt, damit es am Ende mindestens 9 sind? Genauso gut hätten wir dann ja auch „Verfolgung von Straftätern“ oder „Umsetzung der bestehenden Gesetze“ aufnehmen können. Ach Stopp! Haben wir ja auch. Siehe nächster Punkt.
  • Rückführung
    Hä? Die Durchsetzung geltenden Rechts ist ein neuer Punkt auf der Aktionsliste? Da spar ich mir den Atem…
  • Europa
    Da geht es nicht um ein solidarisches Europa, also faires Aufteilen der Lasten usw., sondern um den Datentausch. Hatten wir ja eigentlich schon unter Punkt „Information“. Naja, wiederholen soll ja das Lernergebnis verbessern. Europa zeichnet sich im Wesentlichen durch den Abbau von „Handelshemmnissen“ aus – man könnte auch sagen „Förderung von Konzerninteressen“ und endlose Debatten. Bis die sich auf einen Standard des Datentauschs geeinigt haben, der dann ausgeschrieben, umgesetzt, debuggt, neukonzipiert und in einer 10-jährigen Übergangsfrist eingeführt wird, haben wir längst keine Sorgen mehr.
  • Waffenrecht
    Alter… ich hab kein Problem damit, dass Sportschützen und Jäger streng überprüft werden, z.B. auf Alkoholismus oder bekannte Gewaltdelikte, aber 1) ILLEGALE Waffen sind das Problem. Da hilft eben per Definition kein Gesetz und 2) selbst mit legalen Waffen kann ich Amok laufen. Machete per Amazon bestellen? Dank Amazon Prime schon morgen da.
  • Nachrichtendienste
    Gibt’s hier ein Echo? Kam „Information“ nicht irgendwie schon mehrfach vor?
Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Da sich das Geschrei ja im Wesentlichen auf „Wir müssen mehr wissen/überwachen“ konzentriert und deswegen nach der Aushöhlung des Grundgesetzes gegiert wird (Vorratsdatenspeicherung, Überwachung Internet bzw. Telekomunikationsdaten, etc) hier mal eine kleine Geschichte: So bis ca. 1990 gab es einen Deutschen Staat, genannt DDR, der Weltmeister im Überwachen war. Aufgezeichnet wurde quasi alles: Telefonate, Briefverkehr samt Inhalt, sogar die Gespräche der netten Nachbarn im Hausflur. Selbst die NSA war ein wenig neidisch. Trotz der Überwachung auf Championsleague-Niveau gelang es immer wieder findigen „Republikflüchtigen“, ihre Pläne umzusetzen und „rüberzumachen“. Was sagt uns das? Es wird IMMER Lücken geben. Und im Falle von Terrorismus reicht es ja schon wenn 0,0001% unerkannt bleiben und sich dann mit 50 unschuldigen Opfern in die Luft sprengen. Da gibt es KEINE Sicherheit. Das sind Märchen. Schauen wir doch mal zurück in den „Deutschen Herbst“. Damals „kämpfte“ die RAF mit 6 gegen 60 Millionen gegen die Bundesrepublik. Die Fahndung war damals extrem. Verkehrsüberwachung mit Nummernschilderfassung, Schleppnetz- und Rasterfahndung, Steckbriefe überall. Vieles davon ist heute noch die Basis von Polizeiarbeit. Es war nur eine Handvoll Krimineller. Sogar deren Gesichter waren bekannt. Trotzdem dauerte es Jahre, bis man sie verhaften konnte. Viele blieben noch jahrzehntelang unerkannt. Damals wurde der Begriff der Stadtguerilla geprägt, also der des urbanen Partisanenkämpfers. Diese Art der Kriegsführung ist mit den klassischen Gegenmaßnahmen nicht beizukommen. Fragt doch mal General Batista, der auch versucht hat, Guerillakämpfer mit der Staatsarmee zu bekämpfen. Um entsprechenden Bemerkungen gleich vorzubeugen: Ich halte den IS NICHT für Freiheitskämpfer, sondern für bekloppte Arschgeigen. Es geht hier nur um den Vergleich von Gegenstrategien.

Genauso „gerne“ höre ich die andere Seite, die mehr Bewaffnung fordert, um dann Amokläufer direkt „ausschalten“ zu können. Kleiner Blick nach Amerika. Dort hat jeder Vollhorst ´ne Waffe und in den meisten Bundesstaaten darf er die auch mit rumtragen. Wie oft gab es jetzt bei den diversen Amokläufen in den USA den Fall, bei dem ein „Passant“ die Sache geregelt hat? Genau. Nie. Dafür haben wir eine Menge Tote, die versehentlich mit einer Spielzeugwaffe oder einem Handy oder Feuerzeug erwischt wurden, bei denen der Ordnungshüter dachte, es wäre eventuell gefährlich. Schlecht, aber irgendwie auch die logische Folge, wenn man Polizisten zwingt, in einem Land Dienst zu tun, bei denen jeder einen Ballermann haben darf. Da wäre ich wahrscheinlich auch lieber vorsichtig statt tot.

Also…. was machen wir jetzt mit dem Scherbenhaufen? Erst mal ansehen, was wir da zerdeppert haben! Die Ursachen des Terrors liegen in unserer Außen- bzw. Wirtschaftspolitik (was ja ohnehin das Gleiche ist). Das muss sich ändern. Sofort! Damit beenden wir den Terror noch nicht, aber wir generieren wenigstens nicht permanent mehr Nachschub. Besinnen wir uns wieder auf das, was im Grundgesetz steht. Asyl ist Menschenrecht. Wer vom Tod oder Verfolgung bedroht ist, darf zu uns kommen. Da es ein Menschenrecht ist, KANN es dafür auch keine Obergrenze geben. Sonst gäbe es ja auch Menschen 2. Klasse. Wir können aber sehr wohl entscheiden, auf wen das zutrifft. Und wir müssen auch nicht warten, wer auf dem Weg hierher ertrinkt oder wen die Türkei so zu uns rüber schickt. Wir könnten in den Krisenländern direkt eine Auswahl vornehmen (z.B. mit Hilfe der UN) und die Leute dann sicher hierherbringen (da darf die Bundeswehr auch gerne mal fliegen). Damit können wir sicherstellen, dass es wirklich humanitäre Gründe sind und nicht einfach nur die Stärksten, Findigsten oder auch Rücksichtslosen, die es am Ende hierher schaffen. Wer dann hier ankommt, ist nicht nur ordentlich erfasst, man kann dann die Integration auch viel besser steuern. Agieren statt reagieren oder Löcher flicken. Außerdem entfällt dann der Flüchtlingstreck. Auf die Art haben wir Asyl für Alle (die es laut Grundgesetz erhalten sollen) – ohne Obergrenze – aber auch ohne den totalen Kontrollverlust. Paradoxerweise wird das Asylrecht im Moment hauptsächlich vom Asylrecht bedroht. So wie es heute läuft, ist es schon greifbar, dass das Asylrecht bald stark verändert wird. Man muss mittlerweile aufgrund der Fehlleistungen der aktuellen Bundesregierung in gewissen Maße Dualist sein, wenn es um das Asylrecht geht. Deutschland braucht (noch lange) keine Obergrenze bei der Anzahl der Asylanten (über das Thema hatte ich in einem früheren Beitrag bereits geschrieben – deswegen hier keine Vertiefung). Wir brauchen aber dringend ein tragfähiges Konzept zur Prüfung, Verteilung und Integration. Weil es da eben nicht läuft, wird eine „Bremsung“ der Asylrate unvermeidlich sein. Ich will keine festgeschriebene Obergrenze, aber wir müssen der handhabbaren Menge an Anträgen Rechnung tragen. Es wäre ein Pyrrhussieg, die Obergrenze zu verhindern, um dann zu sehen wie die Folgen das ganze Asylrecht per Aufstand hinwegfegt.

Bleiben noch die Terrorristen, die hier in Deutschland „entstehen“. Es sind die abgehängten, perspektivlosen Jungen. Für jeden, den wir festnehmen, entstehen 2 neue, die ihren Freund, Vetter, Schwager, Bruder usw. rächen wollen. Auch das wird sich nicht schnell lösen lassen. Perspektiven bieten braucht Zeit! Sozialarbeit ist in Deutschland nicht gerade eine Wachstumsbranche. Armut und prekäre Verhältnisse, während man im TV das schöne Leben sieht, leider schon. Auch das wird Jahre dauern, bis sich etwas spürbar bessert – falls wir damit überhaupt anfangen. Bei der zu erwartenden Altersarmut ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis es auch amoklaufende Rentner gibt. Es ist kein Jugendproblem, sondern ein soziales.

Quelle: Amazon.de
Quelle: Amazon.de

Und was die Überwachung angeht? Ich habe mal den guten von Clausewitz und einige seiner Kollegen gelesen. Eine Guerilla – und nichts anderes sind Terroristen im militärischen Sinne – kann man nur durch 2 Mittel effektiv bekämpfen. Abschneiden des Nachschubs (siehe oben) und Unterwanderung. Was war unser BND so eifrig bei dem Einschleusen von V-Männern in die Nazi Szene. Teilweise so eifrig, dass man die Szene erst selbst geschaffen hat. Falls man daraus etwas gelernt hat, könnte man das ja auch mal bei religiös motiviertem Terrorismus versuchen. Das wäre in der Tat von allen die schnellste Maßnahme. Und bärtige junge Männer, die die ganze Gewalt Scheiße finden, hätten wir doch auch genug.

Schnelle Lösungen gibt’s nicht. Es wird noch viele Tote geben und unsere Gesellschaft wird sich stark verändern. Einige meiner Freunde und Bekannten fassen das ganz simpel zusammen: „Wir sind im Arsch“. Leider fehlen mir die Argumente, das tatsächlich und nachhaltig zu entkräften.

 

Trotzdem: Abfinden will ich mich damit nicht. Es gibt Lösungen. Sie sind anstrengend, langwierig und es wird viele Rückschläge geben. Trotzdem sollten wir uns nicht auf den Rücken legen und auszählen lassen. Oder um es mit den Worten von William Shakespeare (in einer leicht modifizierten Fassung – Sorry Willy) zu sagen:

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

„Noch einmal stürmt, noch einmal, lieben Freunde!
Im Frieden kann so wohl nichts einen Mann
Als Milde und bescheidne Stille kleiden,
Doch bläst des Krieges Wetter euch ins Ohr,
Dann ahmt dem Tiger nach in seinem Tun;
Spannt eure Sehnen, ruft das Blut herbei.
Dann leiht dem Auge einen Schreckensblick
Und laßt es durch des Hauptes Bollwerk spähn
Wie ehernes Geschütz,wie ein zerfreßner Fels
Weit vorhängt über seinen schwachen Fuß,
Vom wilden, wüsten Ozean umwühlt.
Nun knirscht die Zähne, schwellt die Nüstern auf,
Den Atem hemmt, spannt alle Lebensgeister
Zur vollen Höh!“

Einen Anlauf die Welt zu Verbessern machen wir noch, oder? Wer macht mit?

Peace! Euer Christian

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Kommt mal klar!

Quelle: Fotolia
Quelle: Fotolia

Kaum ist Paris aus den Profilbildern verschwunden (siehe Beitrag 1-Klick Empathie) gibt es schon die nächste Hiobsbotschaft. Diesmal zum Glück ohne Tote, nur mit einem abgesagten Fußballspiel. Trotzdem verändert die Nachricht für viele zum ersten Mal wirklich das Gefühl für Sicherheit: Der Terror findet nicht mehr nur im Ausland statt. Er ist hier!

Verunsicherung überall, weniger Panik. Bisher ist ja noch nichts passiert. Man kann noch lachen und der verunglückte Beruhigungsversuch unseres Innenministers (#DoItLikeDeMaiziere) sorgt mittlerweile eher für Heiterkeit als für echte Empörung.

Wie aber Stepi schon lage wußte: Lebbe geht weider. Was machen wir nun mit den diffusen Terrorwarnungen? Wie jagen/fangen/neutralisieren wir jetzt die Terroristen? Wie schützen wir uns? Wer sich für solcherlei Fragen interessiert muss eine Neigung zum Masochismus haben. Es gibt nämlich eigentlich nur zeitraubendes Gelaber und keine echten Antworten.

Machen wir eine kleine Zeitreise. Es ist nämlich nicht das erste Mal das Deutschland vom Terror heimgesucht wird. In den späten 70er Jahren war es die RAF im „Deutschen Herbst“. Zugegeben, andere Ideologie – aber Maschinenpistolen hatten die damals auch. Es war die berühmte Jagd auf 6 unter 60 Millionen und es erforderte die ganze Leistungsfähigkeit von Polizei, Staatsschutz und Regierung. Die RAF war eine, aus heutigen Gesichtspunkten, relativ kleine Gruppe mit Nachwuchssorgen. Die IS steht da auf ganz anderen Füßen. Genügend Geld aus Saudi Arabien, riesige Anzahl an potentiellen Mitgliedern (da es eben genug perspektivlose Jugendliche auf der ganzen Welt gibt) und ein modernes und effektives Operationskonzept.

Machen wir uns nichts vor: Wir können uns nicht gegen Terroranschläge schützen! Klar, wir können das Risiko minimieren, wachsam sein, etc. Aber es gibt keine Sicherheit mehr, so wie wir das bisher gewohnt waren. Na und? Wir leben den ganzen Tag mit unabwendbaren Risiken. Wir rauchen, saufen, fahren Auto, wahnsinnige sogar Motorrad oder Fahrrad. Essen krebserregende Wurst (glaub ich auch nicht) und wählen dauernd Politiker die uns in die Scheiße reiten. Das Leben ist riskant. Kommt mal klar Leute!

Quelle: schleckysilberstein.com
Quelle: schleckysilberstein.com

Oft höre ich „Wir lassen uns vom Terror nicht vorschreiben wie wir zu leben haben“. Ich glaub das ist Quatsch. Jeder der bei Verstand ist wird schon auf die aktuelle Situation reagieren und das ist auch gut. Augen aufhalten, wachsam sein ohne hysterisch zu werden. Das kann helfen. Damit das gut funktioniert, muss allerdings auch ein Vertrauensverhältnis neu belebt werden. Die Bürger müssen unseren Sicherheitsorganen vertrauen. D.h. wir müssen uns drauf verlassen, dass der Staat für uns eine Sicherheitsabwägung für Veranstaltungen usw. vornimmt. Ehrlich gesagt würde mir das leichter fallen, wenn nicht solche Pressekonferenzen wie nach dem abgesagten Fußballspiel stattfinden würden. Der Hinweis darauf, das Infos die man nicht mitteilen will, die Menschen nur verunsichern würden, sind da bestimmt nicht hilfreich. Aber da es wohl für Alle eine schwierige und neue Situation war lass ich es mal als Anfängerfehler gelten. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal besser. Einen guter Artikel zum Thema findet sich übrigens hier.

Quelle: Fotolia
Quelle: Fotolia

Werfen wir mal einen Blick auf Städte wie Tel Aviv oder Jerusalem. Ich würde mit den Menschen dort nicht tauschen wollen, aber man kann sehen das die Lösung auf diese Gefährdungslage nur das schlichte „weiterleben“ ist. Es ist sicher einige gehörige Portion Trotz und Mut die dazu nötig ist, am Tag nach einem Bombenanschlag wieder auf den Markt zu gehen, aber ich glaube wir, als Gesellschaft, haben das auch drauf! Die Räumung des Stadions und Umgebung in Hannover ging ganz ohne Panik. Klar, ist was anderes wenn Maschinengewehrfeuer zu hören ist. Trotzdem glaube ich, dass wir als Gesellschaft lernen können (und müssen) mit der Gefährdungslage zu leben.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich finde es richtig Veranstaltungen abzusagen, wenn eine konkrete Gefährdungswarnung vorliegt. Ich halte nix davon aus „Symbolcharakter“ sein Leben zu riskieren, aber für jede abgesagte Veranstaltung kann man dann ja 2 andere besuchen. Oder wie Helge Schneider es gestern perfekt auf den Punkt gebracht hat: Wenn ich heute und morgen aus Sicherheitsgründen absagen muß, dann komm ich halt Donnerstag wieder! Ganz einfach. Wir gehen einfach weiter zu Weihnachtsmärkten, Konzerten, Demonstrationen und wenn halt eine konkrete Gefährdungslage vorliegt lassen wir das eben mal ausfallen und gehen zur nächsten. Fick Dich IS!

Was wir aber nicht vergessen dürfen: Nur Trotz wird den IS nicht besiegen. Als Bürger haben wir aber nur eine Möglichkeit den IS konkret zu bekämpfen: Wir können seine Rekrutierungsstrategie durchkreuzen. Auf Facebook macht seit einigen Tagen ein Zitat von Nicolas Hénin die Runde. Der Mann weiß was er sagt. Er war 10 Monate als Geisel in der Hand von Dschihadi John und den anderen Schwachköpfen von der IS.

„Ich kenne sie. Was sie erwarten, sind Bomben, was sie fürchten, ist Einheit.“

Das ist genau der Punkt an dem wir sie besiegen können. Im Irakkrieg wurde die ganze Welt mit einem falschen Zusammenhang zwischen 9/11 und Irak in den Krieg gelockt. Diesmal lassen wir uns nicht erzählen, dass Terrorismus und Asylsuchende das Gleiche sind. Die Terroristen werden nicht importiert. Wie Peter Neumann (ein ausgewiesener Experte für islamistischen Terror) sagte, kommen die Terroristen eher aus Wolfsburg den aus Raka. Eine hohe Zahl sind Konvertiten. In den meisten Fällen handelt es sich um die 3. Generation von Einwanderern. Menschen, die seit Geburt einen europäischen Paß haben, aber nie Teil der Gesellschaft geworden sind. Es sind auch nicht wirklich Muslime. Wenn man einem deutschen Iman wie Husamuddin Mayer zuhört, der z.B. straffällige Muslime in Gefängnissen betreut, hört man, dass nahezu keiner wirklich etwas über den Koran bzw. die Glaubensgrundsätze des Islam weiß. Das wenige, dass diese jungen Menschen über den (radikalisierten) Islam Wissen reicht aber schon um endlich die Bildung einer Gruppenzugehörigkeit, Identität und Perspektive zu ermöglichen nach der sich diese jungen Menschen so sehr sehnen. Gemeinsam haben die uns bekannten Konvertiten am Anfang lediglich ihre  „Verliererbiografien“. Erst die falschen Versprechungen von vermeintlichen Religionsführern machen aus ihnen Terroristen.

Keine Frage, wer mit der Waffe in der Hand in Städten wahllos auf Menschen schießt ist für die Gesellschaft verloren und muss um jeden Preis gestoppt werden. Auch schon Menschen die bereit sind, sich dazu Ausbilden zu lassen würde ich für legitime Ziele von Gegenwehr halten. Aber nur die bereits radikalisierten Menschen zu bekämpfen wird das Problem nicht lösen.

Religionskriege gibt es nicht. Gab es nie. Die Kämpfer, ich würde sie lieber Bauernopfer nennen, mögen an eine Religion glauben. Die Entscheider sind sicher völlig anders motiviert. Immer geht es um die zwei universellen Kriegsgründe: Geld und/oder Macht. Das wäre übrigens auch ein guter Ansatz um Terrorismus wirklich zu bekämpfen.

…. und heute wäre eine gute Gelegenheit für „Wir schaffen das!“.

Danke für’s Lesen.

Peace

Christian

 

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1-Click Empathie

Quelle: kunstmenschen.com

Einen Tag nach den Anschlägen in Paris sieht ganz Facebook aus wie die Trikolore persönlich. Die französische Flagge, halbtransparent, auf nahezu allen Profilbildern. Es ist quasi die Lichterkette 2.0 und es könnte einen zu Tränen rühren wie schön sich alle vereint aufstellen um den Terror zu verurteilen.

Da ich als Ex-Fotoknippser durchaus im Umgang mit Photoshop erfahren bin, habe ich mich gefragt wie die das alle so schnell und mit diesem tollen Ergebnis hinbekommen haben. Es ist nämlich gar nicht so leicht „zu Fuß“ sein Profilbild entsprechend anzupassen. Wenn ich gleich genauer hingeschaut hätte, wäre es mir sofort aufgefallen. Keiner macht das wirklich selbst. Facebook bietet eine App. Man muß nur auf OK clicken und kann sogar Einstellen wann das alte Profilbild automatisch wiedereingesetzt wird. Quasi Trauer mit eingestelltem Verfallsdatum und mit nur 1-click. Chapeau! Darauf muß man erst mal kommen! Ich frage mich, ob die App nach den vielen Katastrophen der letzten Zeit einfach schon mal auf Vorrat von Facebook erstellt wurde und dann nur noch Event-bezogen angepasst wird, oder ob fleißige Finger das Ding noch in der gleichen Nacht zusammengezimmert haben.

Was genau soll das mit der Fahne im Profil eigentlich bedeuten? Klar, es soll Mitgefühl, Anteilnahme und Trauer ausdrücken. Aber tut es das? Ich meine wie sehr repräsentiert dieser Klick tatsächlich unsere Gefühle und, noch wichtiger, was bewirkt er?

Bei einer „echten“ Demo ist ein gewisses Engagement unumgänglich. Ich muss mich aus dem Haus bewegen, irgendwohin fahren, mit anderen Leuten marschieren – bestenfalls auch mit Ihnen sprechen. Vielleicht lege ich auch irgendwo Blumen hin oder stelle eine Kerze auf. Das, was es für die Opfer (oder besser die Hinterbliebenen) wichtig macht, ist das persönliche. Ich investiere etwas meiner Zeit und verzichte auf dem Komfort meines Sofas um den Menschen zu zeigen: Ich fühle mit. Ich bin dagegen das so etwas noch einmal passiert! Die ganz harten mischen sich vielleicht auch noch in die politische Diskussion ein, schreiben Leserbriefe oder bringen das Thema eben auch mal bei Freunden zur Sprache.

Der Grundgedanke all jener die bei Facebook die App zur Einfärbung des Profilbild benutzt haben ist sicherlich der Gleiche. Aber ernsthaft: Wer kennt den jemanden der nicht von den Schicksalen der Opfer in Paris berührt ist und nicht gegen Gewalt ist? Um dies zu untermauern braucht es keine Flagge im Profilbild.

Was mich an der App stört ist der „easy way out“ der hier Angeboten wird. Ich mache genau einen Klick und schon ist alles gesagt. Investment 10 Sekunden. Ich glaube es verhält sich mit Empathie ohne Investment genauso wie mit Treue ohne Versuchung. Sie ist nix wert. Im Gegenteil, aus der Psychologie weiß man, dass solche Aktionen die Hilfsbereitschaft eher senken. Man hat sich ja schon „eingebracht“ – auch wenn es nur 1-Klick war. Immerhin hat man ja sein ganz persönliches Profilbild, zumindest teilweise, dafür zur Verfügung gestellt.

Die Welt wird sich nicht ändern, egal wie oft wir unser Profilbild auf Facebook wechseln. Außerdem neigen wir dazu immer nur darauf zu Reagieren was in der Forschung als „Spotlight-Effect“ beschrieben wird. Das Foto des toten Aylan am Strand hat die ganze Welt buchstäblich erreicht. Kaum einer konnte sich der Trauer und dem Kloß im Hals entziehen. Die Kinder die in den Wochen danach ertrunken sind blieben für uns unsichtbar. Die Bombenangriffe in der Türkei und in Syrien machten uns weniger betroffen als die Toten in Paris. Wer Zeit hat möge dazu gerne mal den Facebook-Post von Jürgen Klopp lesen (Anmerkung: Ich hätte den Post gerne verlinkt, aber ich konnte ihn leider nicht mehr finden).

Die Lösung ist sicher keine Mauer. Weder um Europa noch um unsere Herzen. Wir müssen uns wieder einmischen. Richtig. Ernsthaft. Mit Zeit. Nachteile in Kauf nehmen. Wir bestimmen die Welt in der wir leben.

Quelle: „Rosaparks“ – USIA / Wikimedia Commons

Meistens hört man dann „Allein kann ich doch nix ausrichten“. Stimmt nicht. Alle großen gesellschaftlichen Veränderungen wurden letztlich von einzelnen oder nur wenigen ausgelöst. Man muss dafür nicht unbedingt Gandhi sein. Rosa Parks war schon 50 als sie sich in einem Bus in Alabama weigerte einem weißen Fahrgast ihren Sitzplatz abzutreten. Dieses kleine Ereignis wurde später als eine der Ursachen für die Entstehung der Bürgerrechtsbewegung in den USA gewertet.

Wir können was ändern! Leserbriefe schreiben, im Internet Postings schreiben (bitte aber mit einer entsprechenden Diskussionskultur!), oder geht doch mal zu der Gemeinderatssitzung in eurem Wohnort. Auch da wird Politik gemacht. Alternativ könnte man ja auch mal ein Blick in ein Asylantenheim in der Nähe werfen um zu schauen wie sehr das eigene Bild mit der Realität übereinstimmt. Wissen muss nicht zwingend durch Internet und TV transportiert werden. Man kann sich auch durchaus noch selbst überzeugen.

… und was die Flaggen in den Profilfotos angeht. Mir wäre es lieber wenn ihr stattdessen lieber einen Text in eure Timeline gepostet hättet. Einen den ihr selbst ausgedacht habt. Einen der Beschreibt was ihr fühlt oder was ihr euch erhofft. Dauert zwar länger, aber es lohnt sich.

Vielen Dank für’s Lesen.

Peace.

Christian